Der Neubau eines Hundehauses für unser Tierheim ist alternativlos. Der Verein selbst hat dafür bereits 50.000 € aus eigenen Mitteln und rund 15.000 € über zweckgebundene Spenden für den Neubau zurückgelegt. Nur: das reicht nicht! Denn die Anforderungen an ein solches Bauvorhaben sind extrem hoch, und die Unterstützung der Kommunen ist bislang alles andere als ermutigend.

Von Ralf Domores (Juli 2015)

Seit gut drei Jahren laufen nun die Vorbereitungen zum Bau eines neuen Hundehauses, beginnend im Juli 2012 mit dem Besuch der zuständigen Fachreferentin Tierheimberatung des Deutschen Tierschutzbundes, Frau Katja Dubberstein, bei uns im Tierheim. Wir hatten um diesen Besuch gebeten, um von offizieller Stelle eine Antwort auf unsere drängendsten Fragen bzgl. der Ausstattung unseres Tierheimes sowie der Ordnungsmäßigkeit der Arbeit unseres Tierheimpersonals zu bekommen.

Die Fachreferentin stellt im ersten Schritt fest, dass unser Verein stetig daran arbeite, die Tierunterbringung sowie den Tierheimbetrieb zu verbessern. Mit oberster Priorität werde versucht, die für die Bestandsgesundheit wesentlichen Bereiche des Tierheims zu verbessern bzw. zu optimieren und es werden die Bereiche des Tierheims, die über die Gesunderhaltung des gesamten Bestandes entscheiden, vorrangig behandelt, um unnötige, teilweise seuchenhafte Krankheitsausbrüche und damit Tierverluste zu vermeiden. Eine gute Hygienestruktur im Tierheim wirke sich auch immer auf die Verweildauer der Tiere und damit auf die Versorgungskosten aus. Die tiermedizinische Versorgung der Tiere sei durch einen großen, hygienisch einwandfreien und gut eingerichteten Tierarztraum jederzeit gewährleistet.

So weit, so gut. Wir leisten im Tierheim also gute Arbeit. Und wie steht es um das vorhandene Hundehaus?

Derzeitige Situation untragbar

Kann so nicht bleiben: das alte Hundehaus im Tierheim GoslarDie Hundezwinger – vier Reihen reiner Innenzwinger in einer umgebauten Lagerhalle – entsprechen in keiner Weise den Anforderungen der Tierschutz-Hundeverordnung. Danach darf ein Hund nur in Räumen gehalten werden, bei denen der Einfall von natürlichem Tageslicht sichergestellt ist. Die Fläche der Öffnungen für das Tageslicht muss bei der Haltung in Räumen, die nach ihrer Zweckbestimmung nicht dem Aufenthalt von Menschen dienen, grundsätzlich mindestens ein Achtel der Bodenfläche betragen. Die Lichtverhältnisse im Hundehaus entsprechen diesen Vorgaben nicht. Auch eine ausreichende Frischluftversorgung müsste sichergestellt sein; jedoch ist eine adäquate Belüftung im bestehenden Fall nur schwer zu gewährleisten.

Durch das Fehlen von Außenbereichen verfügen die Tiere über keinerlei Rückzugsmöglichkeiten. Dieser Aspekt ist aus tiermedizinischer Sicht nicht außer Acht zu lassen, da Stress nachweislich zu einer Schwächung des Immunsystems führt, was nicht nur ein erhöhtes Risiko von Krankheitsausbrüchen nach sich zieht, sondern auch höhere Kosten durch die Notwendigkeit von Behandlungen sowie die Verlängerung der Verweildauer im Tierheim zur Folge haben kann.

Für die Haltung von großen Hunden sind derzeit gar keine geeignet großen Zwinger vorhanden. Laut Tierschutz-Hundeverordnung müssen einem großen Hund (Widerristhöhe über 65cm) mindestens 10 qm zur Verfügung stehen. Generell bedingt die derzeit sehr enge, gedrückte Bauweise des Hundehauses ein großes Stresspotential für die Tiere.

Bei stressempfindlichen Hunden können leicht Verhaltensauffälligkeiten (z.B. stereotype Verhaltensweisen) entstehen. Und bei Tieren, die in der Vergangenheit bereits Verhaltensauffälligkeiten gezeigt haben, ist in einer solchen Atmosphäre keine sinnvolle Arbeit mit dem Hund möglich; eine Verbesserung des Verhaltens ist nicht zu erwarten.

Ebenso aus Gründen der Arbeitssicherheit ist die geschlossene Bauweise – den Zwingern ist nicht wie üblich ein eigener Außenbereich angeschlossen – nicht optimal: Es sind keinerlei Schieber- und Schleuseneinrichtungen vorhanden, die es in schwierigen Situationen erlauben würden, den Hund in einen abgetrennten Bereich des Zwingers „abzuschieben“, damit der Pfleger den Zwinger gefahrlos betreten kann. Aus dieser Situation ergibt sich die Verlängerung der Arbeitsabläufe, denn die Hunde müssen bei der täglichen Reinigung der Zwinger anderweitig untergebracht werden.

Der Deutsche Tierschutzbund hat sich also eindeutig positioniert. Eine schriftliche Stellungnahme oder eine eindeutige Positionierung des für unser Tierheim zuständigen Amtsveterinärs liegen uns zwar bisher nicht vor, seine wiederholten Hinweise und entsprechende Bemerkungen „zwischen den Zeilen“, unter anderem auf die Notwendigkeit der Einhaltung von gesetzlichen Vorgaben im Rahmen der Tierschutz-Hundeverordnung, lassen aber nichts Gutes erahnen.

Gespräche und Kontakte

Die Erkenntnisse aus dem Tierheim-Besuch von Katja Dubberstein haben uns nicht überrascht, auch die Äußerungen des Veterinäramtes wissen wir richtig zu deuten. Nur, wie geht der Tierschutzverein damit um? Wie schaffen wir eine Hundehaltung, die die Vorgaben der Tierschutz-Hundeverordnung einhält? Es stand von vornherein fest, dass wir allein das keinesfalls schaffen, die finanziellen Mittel sind einfach nicht vorhanden. Also wurden Kontakte geknüpft.

Mit dem Regierungswechsel in Hannover Anfang 2014 keimte erste Hoffnung auf. Wurde doch im Koalitionsvertrag der rot-grünen Regierung unter anderem geregelt, dass der Tierschutz sowie die Unterstützung von Tierheimen generell gefördert werden sollen. Der Landtagsabgeordnete Dr. Alexander Saipa zeigte, dass ihm der Tierschutz sehr am Herzen liegt. Da aber politische Planungen stets mit dem Vermerk „unter Finanzierungsvorbehalt“ versehen werden, konnte uns Dr. Saipa bis zum heutigen Tage keine positive Nachricht aus Hannover überbringen.

Hilfreich erschienen auch zahlreiche Gespräche, in denen es um mögliche Fördergelder aus Stiftungen, Lotto-Toto- oder Bingo-Gesellschaften ging. Am Ende hieß es in allen Fällen: Keine Chance, Tierschutz wird nicht gefördert.

In einem konkreten Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Goslar/Harz, Hermann Mehrens, über eine mögliche Finanzierung des Bauvorhabens kam unter anderem die Idee der Bürgschaftsübernahme durch die Stadt Goslar auf. Diese Möglichkeit wurde seitens Vertreter der Stadt aber bisher nicht aufgenommen. Warum eigentlich nicht? Es gibt doch Projekte, bei denen die Stadt als Bürge auftritt. Diese Möglichkeit ist noch nicht endgültig vom Tisch.

Im Februar 2015 folgten fast alle Ratsfraktionen der Stadt Goslar sowie die Verwaltung, Veterinäramt und die Sparkasse unserer Einladung zu einem Gespräch ins Tierheim. Die Beteiligten waren sich aus unserer Sicht auf jeden Fall in einem einig: Da muss etwas passieren! Nur: entsprechende Vorkehrungen im Rahmen des Haushaltsplanes der Stadt wurden nicht getroffen, leider.

Im Mai 2015 wurden dann alle im Rahmen der Fundtierverträge beteiligten Städte und Gemeinden des Landkreises zu einem Runden Tisch geladen. Diese Gesprächsrunde wurde in Absprache mit unserem Landrat Thomas Brych verschoben. Wir bleiben aber dran.

Was bleibt? Was ist? Was wird?

Es bleibt zum einen das Wissen darüber, dass wir – trotz der hohen Kosten – um ein neues Hundehaus nicht herumkommen werden und nicht locker lassen dürfen, um Politik, Verwaltung, Landkreis in die Pflicht zu nehmen. Zum anderen bleibt die Erkenntnis, dass die ständig geführten Diskussionen um z.B. Zukunftsvertrag und leere Kassen ermüdend und schlichtweg nervig sind. Wir erfüllen mit den Leistungen im Tierheim originäre Aufgaben der Kommunen und werden diese auch nicht aus ihrer Verantwortung entlassen - basta! Die Alternative wäre ein städtisch geführtes Tierheim – möchte die Stadt das?

Der Deutsche Tierschutzbund hat sich in einer ersten Stellungnahme zu den von uns vorgelegten Bauplanungen geäußert und diese hinterfragt. Dabei geht es auch um die bisher veranschlagte Bausumme von rund 250.000 Euro. Hier werden wir im Dialog bleiben. Aber unser selbst gestecktes Ziel, bis Ende 2015 einen Bauantrag stellen zu können, werden wir nicht erreichen.

Die bisher zur Realisierung unseres Bauvorhabens vorhandenen Finanzmittel in Höhe von 65.000 Euro stammen aus Spenden und Erbschaften. Sollten am Ende die Bürgerinnen und Bürger dafür Sorge tragen, dass staatliche Aufgaben erfüllt werden, so wäre das wieder einmal ein Beweis für das große bürgerliche Engagement in unserem Landkreis und eine Ohrfeige für Stadt, Kreis und Land, die sich ihrer Verantwortung nicht gestellt haben.

 

ARKO 5Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 5, Juli 2015.