Von Sabine Reichardt, 2. Vorsitzende

KampfhundsteuerNach Protesten aus der Bevölkerung, unserem Offenen Brief an den Oberbürgermeister Dr. Junk und einem mit unserer Zusammenarbeit ausgearbeiteten und von Urte Schwerdtner gestellten Ratsantrag auf Modifizierung der Hundesteuersatzung bewegt sich nun der Rat der Stadt Goslar.

Bei dem konspirativen Treffen am 1. April haben wir (Ralf Domroes, 1. Vorsitzender des Tierschutzvereins - Sabine Reichardt, 2. Vorsitzende - Doris Siemens, Hundeerziehungsberaterin - Urte Schwerdtner, Ratsmitglied) einen Ratsantrag formuliert, den Urte Schwerdtner in den Rat einbringen wird. Der Ratsantrag zielt auf eine Änderung der Hundesteuersatzung bezüglich der erhöhten - aus unserer Sicht ungerechten und unsachgemäßen - Steuern für so genannte Kampfhunde ab. Nun wird diskutiert, beraten, eine Satzungsänderung deutet sich tatsächlich an.

Jedoch: in welche Richtung? Befreiung von höheren Steuern für sogenannte „Kampfhunde“ bei Vorlage eines Wesenstestes? Das wäre zwar eine Möglichkeit für Hundehalter, den höheren Steuern zu entgehen. Allerdings nur für jene, die ihre Hunde ordnungsgemäß angemeldet haben. Die grundsätzlich falsche Rasseneinteilung bleibt dagegen bestehen. Es werden weiterhin Hunderassen pauschal als gefährlich vorverurteilt, und deren Halter wären dann in der Pflicht, zu beweisen, dass jene Gefährdung von Ihrem eigenen Hund eben nicht ausgeht. Warum diese verdrehte Beweispflicht? Zahlreiche Fachleute sind sich doch darin einig, dass keine Hunderasse an sich ist gefährlich ist - jeder Hund einer jeden Rasse kann bei falscher Betreuung und schlechten Haltungsbedingungen bissig und aggressiv werden.
 
Aus Sicht des Tierschutzvereins ist die vorgesehene Änderung der Satzung dahingehend, dass nur ein Wesenstest eine erhöhe Steuer verhindern kann, nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Der Rat der Stadt Goslar könnte - nein, muss! - hier ein Zeichen setzen, die Rasseliste abschaffen und zur Wahrung der Sicherheit und Ordnung fairere Regelungen treffen, die die Problematik an der Wurzel packen. Kontrollen und evtl. Auflagen an Hundehalter, die mit ihrem Tier nicht artgerecht umgehen, wären eine Möglichkeit. Und natürlich die Überprüfung, ob überhaupt ein Hund angemeldet und registriert ist.

Und was würde diese derzeit geplante Satzungsänderung für das Tierheim bedeuten? Eine nur unwesentlich höhere Chance, die diskriminierten Hunderassen zu vermitteln. Denn der neue Hundehalter müsste die für den Wesenstest anfallenden Kosten von 400 bis 1.000 € in Kauf nehmen, zusätzlich zur Schutzgebühr für die Tierübereignung.

Die enorme Hürde zur Vermittlung der betroffenen Tierheim-Hunde bliebe also bestehen. Ebenso die Gefährdung für Menschen durch unsachgemäß gehaltene Hunde – völlig unabhängig von ihrer Rasse. Welchen Sinn hat die Satzung dann noch, wenn sie in der vorgesehenen Weise modifiziert wird?

Unsere eindringliche Bitte an den Rat der Stadt Goslar: Bitte überdenken Sie die Hundesatzungsänderung gut. Lassen Sie sich von Hundesachverständigen beraten und treffen Sie eine Entscheidung, die richtig und nachvollziehbar ist – zum Wohle unserer Hunde, ihrer Halter und den Goslarer Bürgern allgemein.

Im Namen des Tierschutzvereins Goslar und Umgebung e.V.
Sabine Reichardt, 2. Vorsitzende