Im "Laboratory of Pharmacology and Toxicology" (LPT) im Landkreis Harburg sollen unter anderem zahlreiche Affen, Hunde und Katzen misshandelt worden sein. Ein Mitglied des Vereins 'Soko Tierschutz' hatte vier Monate lang undercover als Tierpfleger in dem Labor gearbeitet. Der Deutsche Tierschutzbund stellt Strafanzeige und fordert die Schließung des Labors.

Deutscher Tierschutzbund e.V. / Steve Niewisch

Quelle: Soko Tierschutz / FAKT / ARD-MediathekBerichtet hatten zuerst die "Süddeutsche Zeitung" und das ARD-Magazin FAKT. Die FAKT-Reportage zeigt, wie Hunde in ihrem eigenen Blut liegen und offensichtlich aufgrund von Vergiftungen durch Testsubstanzen verenden. Ein „Tierpfleger“ schlägt einen Makaken mutwillig gegen einen Türrahmen. Andere Affen werden grob aus den Käfigen gezerrt und nach den Versuchen wieder hineingeworfen. Die Reportage kann man hier abrufen:
www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/fakt/videosextern/brutale-tierversuche-in-privaten-tierversuchslaboren-100.html

„Der Umgang mit den Tieren ist brutal und barbarisch.“ sagt Kristina Wagner, Leiterin des Referats für Alternativmethoden zu Tierversuchen beim Deutschen Tierschutzbund. Entsetzt zeigt sie sich auch darüber, dass die Versuche nicht abgebrochen und die schwer leidenden Tiere erlöst wurden. „Offenbar waren sie über lange Zeiträume und während der Nacht unbeaufsichtigt – ein Verstoß gegen die Vorgaben zur Pflege und zum Schutz der Tiere“, so Wagner. Auch dokumentieren die Bilder Verstöße gegen die Haltungsvorgaben: so waren die Käfige der Affen zu klein und enthielten weder Klettermöglichkeiten noch Beschäftigungsmaterial oder Verstecke für die Tiere.

Angesichts dieser Bilder fordert der Deutsche Tierschutzbund die Schließung des Labors. Alle Versuche am LPT müssen aus Sicht der Tierschützer umgehend eingestellt werden. Der Deutsche Tierschutzbund wird zudem Strafanzeige wegen Tierquälerei stellen.

In Richtung der verantwortlichen Politiker drängt der Verband auf die überfällige Behebung der Mängel bei der deutschen Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie. Ziel müsse jedoch der Ausstieg aus Tierversuchen sein. „Wenn man diese entsetzlichen Bilder sieht, kann und darf wirklich niemand mehr behaupten, wir hätten eines der strengsten Tierschutzgesetze der Welt und bei uns würden alle Vorgaben zu Tierversuchen vorbildlich eingehalten“, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Dieser Fall macht auf erschreckende Weise deutlich, wozu die mangelhafte Umsetzung der EU-Tierversuchsrichtlinie in Deutschland führen kann.“ Zudem kritisiert der Deutsche Tierschutzbund, dass im Fall des LPT offensichtlich wird, was passieren kann, wenn Kontrollen durch die zuständige Behörde nicht in ausreichendem Maß und vor allem nicht ohne Vorankündigung stattfinden. Auch hatte das Personal offenbar nicht die in der EU-Tierversuchsrichtlinie vorgeschriebene Ausbildung bzw. Sachkunde für die Pflege von Versuchstieren, geschweige denn für die Durchführung von Tierversuchen – ein weiterer Mangel der deutschen Umsetzung der EU-Vorgaben.

Giftigkeitsprüfungen ohne Genehmigungsverfahren

Bei den vom LPT durchgeführten Versuchen handelt es sich um Giftigkeitsprüfungen zur Zulassung von Arzneimitteln, Chemikalien, Pflanzenschutzmitteln oder Schädlingsbekämpfungsmitteln, die noch immer gesetzlich vorgeschrieben sind – obwohl es bereits eine Reihe zuverlässiger und moderner tierversuchsfreier Verfahren gibt. Diese Tierversuche müssen der zuständigen Behörde in Deutschland lediglich angezeigt werden, aber kein Genehmigungsverfahren durchlaufen. Deutschland hat hier entgegen der EU-Vorgaben sogar eine stillschweigende Erlaubniserteilung eingeführt: Wenn die Behörde nicht innerhalb von 20 Arbeitstagen widerspricht, darf mit den Versuchen begonnen werden. Aus Tierschutzsicht wird so Tierleid billigend in Kauf genommen.