schatten katzeKatzenhaltern ist der Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation oft nicht klar. Beide Methoden werden vom Tierarzt unter Vollnarkose vorgenommen, und beide sind sichere Methoden zur Fortpflanzungskontrolle: der Nachwuchs bleibt aus. Worin aber bestehen die Unterschiede?

Von Dr. vet. Steffen Knorr

Bei der Sterilisation werden die Samenleiter (beim Kater) bzw. die Eileiter (bei der weiblichen Katze) durch eine Ligatur verschlossen oder durchtrennt. Spermien und Eizellen können danach nicht mehr transportiert werden, so dass die Tiere unfruchtbar sind. Die Keimdrüsen bleiben bei der Sterilisation als aktive Körperorgane erhalten. Auf die Hormonproduktion hat die Sterilisation daher keinen Einfluss.

Bei der Kastration dagegen werden die Hoden des Katers bzw. die Eierstöcke der Katze komplett entfernt. Beim Kater ist der Eingriff recht einfach durchzuführen, bei der Kätzin ist dazu die Eröffnung der Bauchhöhle erforderlich. Die Kastration hat daher erheblich stärkere Konsequenzen, denn die von Hoden und Eierstöcken produzierten Geschlechtshormone stehen dem Körper nun nicht mehr zur Verfügung.

Vor allem das Verhalten des Katers verändert sich infolge der Kastration: er deckt nicht mehr, wird friedlicher, die Reviere werden kleiner und auch nicht mehr so vehement markiert und verteidigt. Katerkämpfe und die damit verbundene Verletzungs- und Infektionsgefahr nehmen ab. Die Katze wird nach der Kastration nicht mehr rollig. Wie der Kater wird sie ruhiger und häuslicher, ein Risiko für hormonell bedingte Erkrankungen besteht nicht mehr.

Eine Kastration ist einer Sterilisation klar vorzuziehen. Sie bietet gute Chance auf ein deutlich gesünderes und längeres Katzenleben. Sterilisierte Katzen haben diesen Vorteil dagegen nicht, weil ihr Hormonhaushalt und Verhalten unverändert bleiben und sie den Risiken von Revierkämpfen und Fortpflanzungsaktivitäten ausgesetzt bleiben.

Für die weibliche Katze sind beide Eingriffe invasiv, für den Kater nur die Sterilisation. Durch die Entfernung der Fortpflanzungsorgane und die Veränderung von Verhalten und Hormonhaushalt sinkt die Wahrscheinlichkeit für Infektionen und einige hormonell bedingte, geschlechtsspezifische Erkrankungen. Damit steigt die Lebenserwartung kastrierter Tiere erheblich an. Die Sterilisation hat – außer dem Verlust der Fortpflanzungsfähigkeit – keinen weiteren Vorteil.

Der richtige Zeitpunkt

Wann kastriert werden sollte, darüber gehen die Meinungen auseinander. Während manche sagen, sie sollte mit der Geschlechtsreife also im vierten bis sechsten Monat erfolgen, plädieren andere für einen möglichst frühen Eingriff im dritten bis vierten Lebensmonat. Die Erfahrungen zeigen, dass bei der Frühkastration Operation und Narkose besser vertragen werden als zu einem späteren Zeitpunkt und sich die Tiere früher von dem Eingriff erholen.

Immer wieder werden mögliche Verhaltensauffälligkeiten oder Gesundheitsrisiken als Folge der Frühkastration diskutiert. Neuere Studien belegen aber, Unterschiede im Verhalten frühkastrierter und zu einem späteren Zeitpunkt kastrierter Tiere können nicht beobachtet werden. Eine Neigung zu kindlichem Verhalten der Katzen im Zusammenhang mit der Frühkastration besteht nicht. Auch ein erhöhter Einfluss auf eventuell erhöhte Krankheitsanfälligkeit konnte nicht nachgewiesen werden.

Zusammenfassend sind die Vorteile der Frühkastration daher höher einzuschätzen als deren mögliche Nachteile.

Übergewicht als Folge?

Übrigens: der klassische Hängebauch, der oft drei bis vier Wochen nach der Operation Gestalt annimmt, ist nicht – wie es sich viele Katzenbesitzer gerne einreden – eine unumgängliche Folge der Kastration. Nach der Kastration produzieren die Tiere keine Geschlechtshormone mehr, so dass sich der Stoffwechsel umstellt und sie von dem angebotenen Futter viel weniger Kalorien als vorher verbrauchen. Deshalb gilt für Katzen genau wie für Menschen: man wird ausschließlich vom Fressen dick! Nicht durchs Kastrieren, nicht durch weniger Bewegung nach der Kastration, nicht durch irgendeine noch so fantasievolle Ausrede. Füttern Sie Ihr Tier bedarfsgerecht, entsteht das Übergewicht nicht.

Tierheim-Katzen nur kastriert

Katzen aus unserem Tierheim werden grundsätzlich kastriert vermittelt. Sollten die Tiere für die Kastration noch zu jung sein, so erhält der Besitzer die Vorgabe, das Tier selbst kastrieren zu lassen. Die Kosten dafür übernimmt der Tierschutzverein, die Durchführung dieser Maßnahme wird überprüft. Es soll ja Menschen geben, die die Übernahmekosten einer geimpften und kastrierten Tierheim-Katze von 100 Euro kritisieren – und dabei völlig verdrängen, dass für die notwendige Kastration bei einem Tier aus einer privaten Vermittlung in etwa die gleiche Summe aufzubringen ist. Denken Sie daran – und sagen Sie es weiter.

 

ARKO 5Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 7, August 2016.