Regelmäßig wird unser Tierheim-Team gefragt, ob die vermittelten Tiere in der Mietwohnung generell erlaubt sind oder die Haltung laut Mietvertrag verboten sein kann. Eine pauschale Aussage gibt es nicht: Haustier ist nicht gleich Haustier, es kommt auf den individuellen Fall an.

Von Steve Niewisch

Die Klausel „Haustiere erlaubt“ im Mietvertrag bereits ist eine gute Voraussetzung für die Haltung in der Wohnung. Allerdings gilt diese Formulierung nicht für alle Tierarten. Das Mietrecht unterscheidet die Tierhaltung nach drei Tiergruppen: Kleintiere, Katzen und Hunde sowie Exoten, und für diese Gruppen gelten unterschiedliche Bedingungen.

Kleintiere – beispielsweise Hamster, Meerschweinchen, Kaninchen, Wellensittiche, aber auch Fische, dürfen generell immer in der Wohnung gehalten werden, selbst dann, wenn Haustiere allgemein laut Mietvertrag verboten sind. Mietrechtlich gehört die Haltung dieser Kleintiere zum „vertragsmäßigen Gebrauch“. Jedoch gibt es Ausnahmen: Gerichte haben beispielsweise bei Frettchen wegen des möglichen Gestanks, bei Ratten wegen des Ekels bei Mitmenschen oder bei Papageien wegen Ruhestörung gegen die Tierhaltung entschieden. Daher ist es unabdingbar, für derartige Tierarten immer eine Genehmigung vom Vermieter einzuholen.

Übernahme von Tieren aus dem Tierheim

In unseren Vermittlungsverträgen lassen wir von künftigen Tierhaltern generell bestätigen, dass bei Mietwohnverhältnissen eine Erlaubnis zur Tierhaltung vorliegt. Ein Nachweis ist normalerweise nicht erforderlich, nur bei bestimmten Hunden (schwieriger Charakter, bestimmte Rassen, Größe) lassen wir uns ggf. den Mietvertrag bzw. eine Einverständniserklärung des Vermieters vorlegen. Für den – glücklicherweise unwahrscheinlichen – Fall, dass diese Erlaubnis zur Tierhaltung entgegen der Angabe des Halters nicht besteht, wäre eine Rückübermittlung des Tieres an das Heim denkbar, jedoch besteht dann kein Anspruch auf Rückzahlung der Vermittlungsgebühr. Daher: klären Sie diesen Aspekt im Interesse des Tieres bitte unbedingt vor der Anschaffung Ihres neuen Freundes.

Katzen und Hunde, exotisch oder gefährlich

Bei Katzen und Hunden (oder Hausschweinen) ist es etwas komplizierter. Generell verbieten dürfen Vermieter diese Tiere in der Mietwohnung nicht; eine solche pauschale Klausel im Mietvertrag wäre unwirksam. Wenn das Tier jedoch zu einem Problem wird, beispielsweise durch Lärm, Dreck, Schäden am Mieteigentum oder gefährliche Verhaltensweisen, so hat der Vermieter durchaus Chancen, das Verbot durchzusetzen. Daraus folgt, dass die Anschaffung einer Katze oder eines Hundes immer vorab abgesprochen werden sollte, um späteren Ärger zu vermeiden. Im Ernstfall die Gerichte darüber entscheiden zu lassen, ist für beide Seiten kein empfehlenswerter Weg. Nur Blindenhunde sind selbstverständlich grundsätzlich erlaubt.

Bei Exoten wie Vogelspinnen, Gift- oder Würgeschlangen, Reptilien etc., aber auch bei Kampfhunden, ist eine Erlaubnis durch den Vermieter immer erforderlich. Bei ungefährlichen und ungiftigen Schlangen ist dagegen keine ausdrückliche Erlaubnis nötig.

Erlaubnis darf widerrufen werden

Ein gänzliches Verbot von Haustieren ist also nicht möglich, viele Entscheidungen sind individuell zu treffen. Und ist ein Tier erstmal im Haus, ist es selbstredend wichtig, die Regelungen zur Tierhaltung in Mietwohnungen zu beachten. Triftige Gründe könnten dem Vermieter gestatten, die bereits erlaubte Tierhaltung zu widerrufen. Im Extremfall rechtfertigt die Verweigerung sogar eine Kündigung.

Generell gilt: ein freundliches Gespräch mit Vermieter oder Nachbarn ist ratsamer, als sich vor Gericht zu treffen oder – mindestens ebenso schlimm – das liebgewordene Tier wieder abgeben zu müssen.

 

ARKO 8Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 8, Dezember 2016.